Sesam ernte dich

Wir waren in Uganda auf Spurensuche.

Dank seines gemäßigt tropischen Klimas zählt Uganda zu den fruchtbarsten Ländern Afrikas. Hier werden Jahr für Jahr viele Tonnen Sesam angebaut. Der größte Teil der Ernte wird von den Kleinbauern selbst genutzt. Mit dem Verkauf der Überschüsse verbessern die Produzenten ihren Lebensstandard und verbessern dadurch beispielsweise die Schulausbildung ihrer Kinder. Bio-Sesamöl ist ein wichtiger Bestandteil für das berühmte FRESH  tooth oil. Prokurist Michael Wannemacher und Christoph Dorn, Leitung Einkauf & Logistik, reisten nach Afrika, um die Produzenten vor Ort kennen zu lernen.

Erste Überraschung: Statt weitläufiger Felder fanden die beiden viele kleine Hausgärten und Mini-Landwirtschaften vor. Hintergrund dafür sind die kleinbäuerlichen Strukturen. Familien bewirtschaften gemeinsam ein Stück Land, bauen Chia, Chilis, Mais sowie Sesam für den Eigenbedarf an und verkaufen die Überschüsse an sogenannte Primary Stores, die sich für eine anteilmäßige Kommission um den Weiterverkauf und den Export kümmern. Um die 3.000 Vertragsbauern und ihre Familien sind so an der Ernte des Sesams für RINGANA beteiligt. Da in Uganda eine Familie aus zehn bis fünfzehn Personen besteht, profitieren von dieser regionalen Wertschöpfung also mehr als 30.000 Menschen. „FRESH tooth oil bietet so vielen Menschen eine Lebensgrundlage – das freut uns ganz besonders“, sagt Michael Wannemacher.

„Wir haben im Norden von Uganda in der Region rund um die Stadt Arua mehrere Bauern und ihre Dörfer besucht“, erzählt Christoph Dorn: „Diese haben ganz stolz ihre Ernte präsentiert, uns ihre Erzeugnisse kosten lassen und uns anvertraut, wie froh sie sind, dass sie durch das Bio-Sesam-Projekt auf ihrem Land nachhaltig wirtschaften können und nicht gezwungen sind, in die Stadt auf Arbeitssuche zu gehen.“

Bereits vier Monate nach der Aussaat ist der Samen reif.

Die Ernte selbst erfolgt in Uganda von Hand.

Sesam gedeiht in warmen, mäßig-feuchten Gebieten wie Uganda perfekt. Da er nur bescheidene Ansprüche an den Boden stellt und auf jegliche Art von Düngung verzichtet werden kann, eignet er sich ausgesprochen gut für den biologischen Anbau. Sesam ist eine krautartige Pflanze, die rasch eine Wuchshöhe von bis zu 2 Metern erreicht. Aus den weißen, violett- oder rosafarbenen Glockenblüten bilden sich Kapseln, in denen die Sesamsaat heranreift. Bereits vier Monate nach der Aussaat ist der Samen reif. Durch spezielle Züchtungen öffnen sich die Kapseln jedoch nicht von selbst, sondern erst nachdem die Pflanze geerntet und getrocknet wurde. Die Sesamsamen fallen dann durch intensives Schütteln der getrockneten Pflanze aus der Kapsel und werden in einem weiteren Schritt von den Dorfbewohnern mittels Holzschalen grob gesiebt. Die Ernte selbst erfolgt in Uganda von Hand. Auch die Besucher von RINGANA durften den Umgang mit den traditionellen Werkzeugen vor Ort ausprobieren.

Die geernteten Sesamsamen werden dann zur Reinigung und Feinsiebung zu einer speziellen Anlage in der Nähe von Mukono gebracht. Nach erfolgreicher Qualitätskontrolle und Verpackung in Containern treten die Samen ihre Reise nach Europa an. Der RINGANA Sesam wird in Deutschland in einer Bio-Ölmühle weiterverarbeitet. „Diesen Produktionsschritt haben wir bereits letztes Jahr besichtigt“, erzählt Christoph Dorn, „durch den Besuch in Uganda kennen wir nun die komplette Herstellungskette.“

„RINGANA wird im nächsten Jahr 70 Tonnen Sesamöl aus diesem nachhaltigen Anbau in Uganda beziehen“, so Christoph Dorn. Und Michael Wannemacher fügt hinzu: „Es ist ein schönes Gefühl, dass unser Kultprodukt nicht nur seine Anwender begeistert, sondern auch den Bio-Sesam-Anbau in Uganda stützt und damit das Leben so vieler Menschen bereichert.“

» Das FRESH tooth oil begeistert nicht nur seine Anwender, sondern stützt auch den Bio-Sesam-Anbau in Uganda. «

http://www.sofresh.viarosa.co

Klima im Wandel – Wie uns Pflanzen vor der drohenden Umweltkatastrophe retten können

In puncto Klimawandel jagt ein trauriger Rekord den anderen: 2015 bis 2018 waren die wärmsten je gemessenen Jahre. Mit Schneechaos im Winter und Tropennächten im Sommer haben zahlreiche österreichische Regionen in den letzten Monaten hautnah die Konsequenzen des Klimawandels erlebt. Um die im Pariser Abkommen vereinbarten Klimaziele zu erreichen und die globale Erwärmung unter 2°C zu halten, dürfen die Ursachen und Lösungen nicht nur in den Bereichen Industrie, Energie und Transport gesucht werden. Es muss auch ein fokussierter Blick auf die Landwirtschaft und Ernährung geworfen werden!

Ein Leben innerhalb der planetaren Grenzen

Die klimatische Belastungsgrenze der Erde ist erreicht: Schon heute liegen die CO2-Konzentrationen gemessen in Parts per Million bei 415 ppm und überschreiten die tragfähige Grenze von 350 ppm deutlich. Eine der zentralen Ursachen des Klimawandels geht von der Ernährung aus: Laut FAO entfallen alleine auf tierische Lebensmittel 18 % der Treibhausgase – somit mehr als auf den gesamten globalen Transport! Durch Bevölkerungs- und Wohlstandswachstum wird erwartet, dass sich die Umweltauswirkungen weiter verschärfen: Laut Prognosen werden die ernährungsbedingten Treibhausgase im Jahr 2050 etwa um 87 % höher sein als 2010. Treibend ist dabei die erwartete Nachfragesteigerung nach Fleisch und Milch. Doch welche Strategien sind am effektivsten, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden? Ein Forscher_innenteam rund um Marco Springmann von der University of Oxford untersuchte Umweltschutzmaßnahmen in den Bereichen Technologie, Lebensmittelverschwendung und Ernährungsänderung. Fleischliebenden Technologieverfechter_innen dürfte das Ergebnis schwer im Magen liegen. Denn technologische Effizienzsteigerungen und Vermeidung von Lebensmittelverschwendung reichen alleine nicht aus, um die Treibhausgasemissionen auf ein umweltverträgliches Maß zu reduzieren. Selbst bei äußerst ambitionierten Zielen, wie einer 75-prozentigen Vermeidung von Lebensmittelverschwendungen, sei dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Nachhaltiges Essen für alle

Eine drastische Reduktion des Fleisch- und Milchkonsums in westlichen Ländern sei unumgänglich, um den Kollaps des Weltklimas zu vermeiden. Eine Ernährung gemäß nationaler und internationaler Empfehlungen würde die prognostizierten ernährungsbedingten Treibhausgase zumindest um 29 % senken. Eine flexitarische Ernährung, die vorrangig aus pflanzlichen Lebensmitteln und sehr seltenem Fleischkonsum besteht, senkt die Treibhausgase um 56 %. Bürger_innen aus westlichen Ländern müssten ihren Konsum an Rindfleisch um 90 % und an Milch um 60 % reduzieren, um aus ökologischer Sicht den Planeten nicht überzustrapazieren. Hingegen sollten Hülsenfrüchte fünf Mal so häufig am Speiseplan stehen.

„Die Treibhausgasemissionen können ohne Umstellung auf eine stärker pflanzenbasierte Ernährung nicht ausreichend gesenkt werden.“ – Marco Springmann et al. (2018)

Tierische Lebensmittel und Treibhausgase

Die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern ist ressourcenintensiv und zieht zahlreiche Umweltauswirkungen nach sich. Sie trägt zu der Verschmutzung von Wasser und Luft, dem Artensterben und der Überdüngung bei – und zu den bedeutendsten Treibhausgasen, die für die globale Erwärmung verantwortlich sind: Kohlendioxid (CO2) ist das berühmt-berüchtigte Treibhausgas und entsteht nicht nur im Energie-, Transport- und Industriesektor, sondern auch in der Landwirtschaft. Problematisch sind hier insbesondere Waldrodungen zum Anbau von Futtermitteln und zur Schaffung von Weiden. Methan (CH4) wirkt 28 Mal so stark wie CO2 und entsteht vor allem durch Verdauungstätigkeiten von Rindern und anderen Wiederkäuern sowie die Lagerung und Ausbringung von Gülle. Etwa zwei Drittel des äußerst potenten Lachgases (N2O) – es wirkt 265 Mal so stark wie CO2 – entfallen auf Tierhaltung, Futtermittelproduktion und Düngermanagement.

Klimaschutz beginnt am Teller

Die Lösung zahlreicher Umwelt- und Gesundheitsprobleme liegt also auf unserem Teller. Um die ambitionierte und essentielle Ernährungsänderung zu ermöglichen, ist ein starkes Bekenntnis von politischen Institutionen wichtig, das meist vermisst wird. Doch die Macht der Konsument_innen darf nicht vergessen werden: Mit unserem täglichen Essen können wir zur nachhaltigen Gestaltung des Ernährungssystems beitragen. Das persönliche Ernährungsverhalten zu ändern erfordert meist eine ordentliche Portion Motivation und Wille. Um Interessierten das geschmackvolle Ausprobieren der pflanzlichen Lebensweise zu erleichtern, haben wir das kostenlose Unterstützungsangebot „Dein veganer Monat“ geschaffen. So können wir gemeinsam den Weg in eine nachhaltige Zukunft gehen!

Quelle: Springmann, M. et al. (2018). Options for keeping the food system within environmental limits. Nature 562: 519-525.

https://www.vegan.at/klimawandel